2019_11_23 Bau Hochbeet

13. November 2019  Workshop "Ich baue mein Hochbeet selbst."
                                      (mit leicht korrigierter Bauanleitung; Stand: 27.11.2019)

Ein Hochbeet kaufen kann schnell mal ein paar Hundert Euro kosten. Warum dann nicht eins selber bauen?
Unser ehemaliges Vorstandsmitglied Hannsjürgen Phieler zeigte am vorletzten November-Samstag, wie man eines mit den Maßen 2m x 1m x 0,75m für rd. 100 Euro Materialbedarf erstellen kann. Sein großes handwerkliches Geschick ist nicht unbedingt erforderlich; man muss dann halt mehr Zeitaufwand investieren. Und ein zweites Paar Hände wäre sehr hilfreich.

Im Garten unseres Mitgliedes André van Rhee wurde der Holzrahmen an einem Samstagnachmittag gebaut; die Befüllung werden der Hausherr und seine Familie in den nächsten Monaten selbst durchführen.

Etwa 15 Interessierte fanden sich nach und nach im Garten der Familie ein, um beim Bau zuzusehen und hilfreiche Tipps für den späteren Selbstversuch zu erhalten. Nach einer kurzen Begrüßung durch den Vereinsvorsitzenden und Vorstellung des Hauptakteurs – im Berufsleben hatte der Bühnenbilder für die großen SR-Fernseh-Shows gebaut – ging es los.
Hannsjürgen, der Einfachheit halber nachfolgend nur „Jürgen“ genannt, hatte Schaltafeln und Eckpfosten schon in der heimischen Werkstatt auf die benötigten Längen und Breiten vorgeschnitten. Dies war u.a. deshalb erforderlich, weil Schaltafeln standardmäßig eine Breite von 0,5m haben, die Außenwände in diesem Fall aber eine Höhe von 0,75m haben sollten.

Unsere Materialliste: 5 Schaltafeln (à 2m x 0,5m; langlebig, stabil), Vierkantholz (6x4 cm), Dachlatten, Gitternetzfolie, Isolierband (auch als Dichtungs-oder Reparaturband bezeichnet), Kaninchendraht (max. 13x13 cm!!), diverse Schrauben, Krampen und „Unmengen“ Tacker.
Los ging die Arbeit mit dem Anbringen der seitlichen Pfosten; sie werden – abweichend von früheren Versionen – an der künftigen Innenseite angeschraubt. Dann werden die Längsseiten um das fehlende Teil mit 25 cm Breite ergänzt. Zur Verstärkung der 2 Meter langen Seitenwände bringt er an Innen- und Außenseiten Pfosten an. Auch hier spart Jürgen nicht mit Schrauben: Die ganze Angelegenheit soll ja später dem immensen Druck der Füllung standhalten.
Analog dazu werden die Stirnseiten gebaut, in diesem Fall ohne mittige Verstärkung. Sie dürfen übrigens nur 96 cm breit sein, wenn die Stirnseiten zwischen die Längsseiten geschoben werden. Warum? Das lesen Sie weiter unten! Jürgen aber belässt sie bei 1 Meter und setzt sie an die Längsseiten dran.
Sind Längs- und Stirnseiten fertig gestellt, werden die Innenseiten mit der Gitternetzfolie verkleidet. Diese Art Folie verwenden wir auf Anraten der Fachverkäuferin im Baumarkt; die eigentlich favorisierte Teichfolie ist nach ihren Worten ungeeignet. Die vorgetragene Begründung können wir zwar nicht nachvollziehen, aber der Preis ist eine zusätzliche Entscheidungshilfe: Die Teichfolie würde ein Vielfaches der Gitternetzfolie kosten.
Wichtig ist, dass die Folie so breit ist, dass sie auch auf den schmalen Kanten der Schaltafeln – später oben und unten – festgetackert werden kann. Somit sind auch diese Seiten gegen Feuchtigkeit geschützt. Empfehlung bzgl. der Länge der Folie: Berechnen Sie die großzügig! Bedenken Sie, dass Sie für die Umwicklung der innenliegenden Pfosten Material benötigen. Wenn Sie sich dann nur um 1-2 cm verrechnet haben, haben Sie ein Problem. Jürgen macht diesen Fehler natürlich nicht. Trotzdem drückt sein „Vorarbeiter“ Veselko Planinic die Folie so fest wie möglich an die Pfosten an – und Jürgen tackert los. Veselkos Finger bleiben unverletzt.
Nachdem so auch die letzte Stirnseite bearbeitet ist, werden Bauteile und Werkzeug an den künftigen Standort des Hochbeets verbracht. Dort erfolgt der Zusammenbau der Einzelteile - ganz nach dem Motto "Hochbeet in Fertigbauweise". Schraubzwingen und wiederum Besucher kommen zum Einsatz, letztere vor allem beim Schrauben dicht über der Grasnarbe. Körper und Kleidung werden in den Momenten harten Belastungsproben ausgesetzt …
Erstmals Stabilität gewinnt der Kasten, als Jürgen die inneren Abstandshalter anbringt. Sie sollen gewährleisten, dass das Gewicht der Füllung die Längsseiten nicht auseinander drückt. Wenigstens das Hochbeet soll keinen Bauch bekommen. Während Jürgen so in dem Kasten sitzt und arbeitet, kommen die Umstehenden auf bösartige Ideen: Wie wär’s, wenn man jetzt die letzte Stirnseite schnell anschrauben würde?  Seine Ehefrau beschwert sich. Jürgen scheint die hinterhältigen Ideen zu fühlen und beeilt sich.
Für die Verwendung der Stirnseiten gibt es 2 Varianten:
  1. Entweder werden die Stirnseiten von außen auf die Längsseiten draufgesetzt. Dies hat zur Folge, dass die Breite von exakt 1 Meter erhalten bleibt - der Kaninchendraht ist breit genug. Für diese Variante hatte sich Jürgen entschieden.
  2. Alternativ werden die Stirnseiten zwischen die Längsseiten geschoben. Dann dürfen sie nur 96 cm breit sein, damit die Gesamtbreite von 1 Meter beibehalten wird. Auch dann ist der Kaninchendraht breit genug.
  3. In beiden Fällen haben die Abstandhalter eine Länge von 96 cm.
Der Kasten steht, wird dann aber auf den Kopf gestellt. Jetzt kommen wir zu den letzten Veredelungen. Dazu gehört, dass die an den Unterseiten der Pfosten überstehende Folie eingeschnitten, gefaltet und mit breiten Isolierband überklebt wird. Fertig, die Unterseite ist wasserdicht.

Vorletzter Schritt: Der Kaninchendraht wird angebracht. Da die Drahtrolle nur 1 Meter breit ist und selbst mit heftigstem Ziehen nicht breiter werden würde, die Schaltafeln aber auch eine Dicke von knapp 2 cm haben, durften die als Stirnseiten einzubauenden Teile maximal 96 cm breit sein. Jürgen hat das natürlich im Vorfeld bedacht und die Stirnseiten entsprechend schmäler geschnitten – und jetzt sitzt der Draht auf beiden Längsseiten rechts und links bündig.

Wichtiger Hinweis: Befestigen Sie den Draht nicht mit dem Tacker. Das Gewicht des Erdreichs drückt dessen feine Nadeln im Null- Komma-Nix aus dem Holz, den richtig teuren Draht (die Rolle mit 10 x 1 m kostet rd. 28 Euro!) hätten Sie sich sparen können. Jürgen verwendet deshalb Krampen, das sind U-förmige Drahtstifte mit zwei spitzen Enden. Die schlägt er in einem Maximalabstand von 5 cm in alle Längs- und Querhölzer. Vorübergehend durfte sogar André mal den Hammer schwingen. Da reißt nichts mehr aus.
O.k., Unterseite fertig, Kasten wieder auf die Füße stellen. Zum Schluss kommt das Tüpfelchen auf das „i“: der Schneckenschutz. Er kann zwar nicht verhindern, dass Schnecken(eier) mit der Füllung ins Hochbeet gelangen. Er schafft es aber, dass Schnecken aus dem Garten, an den Seitenwänden hochkriechend, den wertvollen Salat nicht erreichen. Spätestens am waagerechten Überstand mit einer Breite von 4-5 cm stoßen sie auf ein unüberwindbares Hindernis.

Dieses Abwehrbollwerk aus Dachlatten wird auf allen 4 Seiten zwischen den senkrechten Pfosten am oberen Rand des Hochbeets festgeschraubt. Der Laie hätte aus Gründen der Bequemlichkeit die Schrauben von außen rein gedreht; Jürgen macht das umgekehrt: Er schraubt von innen nach außen. Damit ist keine einzige Schraube sichtbar. Das ist halt  e i n  Unterschied.
 „Habe fertig!“ Nach 2 ½ Stunden und recht kalten Außentemperaturen war das Werk beendet.



Jürgen suchte sein Werkzeug zusammen, insbesondere die Kleinteile. Seine Frage „Wo ist mein Bit?“ wurde prompt falsch verstanden, das ihm angebotene passte nicht in den Werkzeugkasten. Er nahm es dennoch.


Vor Kälte-bedingt deutlich geschrumpfter Besucherkulisse dankten der Vorsitzende und der Hausherr dem „Meister der Hochbeete“ für sein Engagement und eine wirklich eindrucksvolle Demonstration.

Jetzt muss Familie van Rhee nur noch für die Füllung und eine gute Ernte in 2020 und den Folgejahren sorgen.

Und die Leser dieses Artikels fühlen sich vielleicht in die Lage versetzt, sich selbst an ein solches Bauwerk heranzuwagen.

Viel Erfolg!

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